Beispielgutachten
 







Mustergutachten:

Gutachten 2003-01-21

über

die Ursache der Schimmelbildung im Keller der Doppelhaushälfte der Familie XXX.

Auftraggeber

Herr XXX

XXX

88131 Lindau ( B )

Geschäftszeichen

Das Gutachten umfasst 9 Textseiten

und 6 Anlagen und 4 Bildern als Anhang.

Lindau, den 28.02.2003

© Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Gutachtens darf ohne meine schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form reproduziert oder auszugsweise verwendet werden.

Inhalt Seite

1 Veranlassung 3

2 Grundlagen des Gutachtens 3

2.1 Verwendete Unterlagen 3

2.2 Ortsbesichtigung 4

2.3 Bauakteneinsicht 4

3 Ergebnisse der Ortsbesichtigung 4

3.1 Allgemeines 4

3.2 Feststellungen 5

4 Einsicht in die Bauakten 5

4.1 Allgemeines 5

5 Untersuchungen 6

5.1 Materialprüfungen 6

6 Bewertung der Untersuchungsergebnisse 7

6.1 Allgemeines 7

6.1.1 Nicht gedämmte Außenwand 7

6.1.2 Fehlende Lüftungsmöglichkeit 7

6.1.3 Türe zum Vorraum 7

7 Vorschläge für die Beseitigung der Mängel 8

8 Kostenschätzung für die Mängelbeseitigung 8

9 Zusammenfassung 9

Anlage 1: Bauteilquerschnitt vorhandene Außenwand

Anlage 2: Diffusionsberechnungen vorhanden Außenwand

Anlage 3: Bilder 1 bis 4

Anlage 4: B auteilquerschnitt sanierte Außenwand

Anlage 5: Diffusionsberechnung sanierte Außenwand

Anlage 6: Diffusionsberechnung sanierte Außenwand

1 Veranlassung

Mit Schreiben vom 21.01.2003 wurde das Architekturbüro Kubeth, vertreten durch den Unterzeichner, Herrn Dipl.-Ing. Dieter Kubeth, von Herrn XXX beauftragt ein schriftliches Sachverständigengutachten zur B eweissicherung zu erstatten.

Im Rahmen dieses Gutachtens sollen folgende Punkte bearbeitet werden:

1). Ist die Schimmelbildung in dem unbeheizten Kellerraum ursächlich auf bauliche Mängel zurück zu führen?

2). Wenn ja, soll der Sachverständige die Mängel aufführen.

3). Der Sachverständige soll einen Vororttermin durchführen, vorgefundene Mängel in Augenschein nehmen und ein schriftliches Gutachten über die Ursache der Schimmelbildung erstellen.

4). Der Sachverständige soll einen Sanierungsvorschlag unterbreiten und überschlägig die Kosten ermitteln.

2 Grundlagen des Gutachtens

2.1 Verwendete Unterlagen

[1] Oswald, Lamers, Schnapauff, Nachträglicher Wärmeschutz für B auteile und Gebäude, Bauverlag, 1995.

[2] Frick/Knöll/Neumann/Weinbrenner, Baukonstruktionslehre Teil 1 und 2, B .G. Teubner Verlag, 1987.

[3] Jürgen Blaich: Bauschäden Analyse u. Vermeidung. IR B Verlag 1999.

[4] Planen und Bauen, Normen-Sammlung 1993 ff DIN 1946-6

[5] V B N - Info: Topthema Schimmelpilz, IR B Verlag, 2001.

2.2 Ortsbesichtigung

Am 21.01.2003 fand eine Ortsbesichtigung im XXX in Lindau statt, bei der außer dem Unterzeichner, Herrn Dipl.-Ing. Dieter Kubeth, folgende Personen anwesend waren:

Herr XXX

Während der Ortsbesichtigung wurde der unbeheizte Keller per Augenschein begutachtet, Temperaturen und Luftfeuchte gemessen, Maße aufgenommen und Fotos angefertigt.

2.3 B auakteneinsicht

Herr XXX stellte mir die B auakte zur Verfügung.

3 Ergebnisse der Ortsbesichtigung

Bei der Ortsbesichtigung wurden vom Unterzeichner folgende Feststellungen getroffen:

3.1 Allgemeines

Das Gebäude, bestehend aus zwei Doppelhaushälften, ist als Passivhaus in Holzfertigteilbauweise realisiert worden.

Die Baumaßnahme für das Gebäude endete im Dezember 1999.

Die rechte Hälfte des Doppelhauses gehört der Familie XXX und wird von dieser bewohnt.

Das Grundstück fällt von der Straße um ca. 2,5m ab. Die Wände des Kellers, (an der Straßenseite) sind aus Beton.

Die Decke über dem unterkellerten Bereich ist aus Beton, d=25cm.

Die Be- und Entlüftung der Räume, bis auf den nicht beheizten Kellerraumes, erfolgen über eine kontrollierte Lüftung.

Der Kellerraum wird sowohl über die Außentreppe, als auch über die innen liegende, einläufige Treppe erschlossen.

Vor zwei Jahren zeigte sich Schimmelbefall, der sich stetig verdichtete.

Der Eigentümer geht von einem Bauschaden aus.

3.2 Feststellungen

Bei der Ortsbesichtigung wurde Schimmelbefall an den erdberührenden Wänden, Decke und der Unterseite der Außentreppe des nicht beheizten Kellerraumes festgestellt.

Bei Betreten des Raumes konnte ein „feucht - muffiger“ Geruch festgestellt werden.

Es wurden folgende Werte gemessen:

Unbeheizter Kellerraum:

Relative Luftfeuchte (Innen): 59%

Temperatur der Luft (Innen): 13,3°C

Feuchtegehalt B etonoberfläche: 1,9% - 1,5% (Gewichtsprozent)

Temperatur Außenwände: 7,0°C

Temperatur Innenwand: 8,4°C

Feuchtegehalt Polystyrol 9,3% (Gewichtsprozent)

Vorraum:

Relative Luftfeuchte (Innen): 59%

Temperatur der Luft (Innen): 14,4°C

Wohnräume:

Die Zuluft der Lüftungsanlage in die Wohnräume wurde mit 22,5° und 25% Luftfeuchte gemessen.

Relative Luftfeuchte (Innen): 40%

Temperatur der Luft (Innen): 20,5°C

Außentemperatur:

Relative Luftfeuchte (Außen): 76%

Temperatur der Luft (Außen): 4,0°C

Weiter wurde festgestellt, dass die Türe zwischen Vorraum und Kellerraum nicht dicht abschließt. Um diesen Mangel zu beseitigen wurde ein B lech als oberer Abschluss auf das Türblatt genietet. Die Undichtigkeit ist nach wie vor messbar.

Es besteht keine Möglichkeit, den Kellerraum natürlich zu lüften.

4 Einsicht in die Bauakten

4.1 Allgemeines

Aus der Bauakte konnte folgendes entnommen werden:

Die Außenwandstärke der betonierten Kellerwände beträgt 25cm. Lediglich die an die beheizten Räume angrenzenden Wände sind wärmegedämmt.

5 Untersuchungen

Im Rahmen dieses Gutachtens wurden vom Unterzeichner folgende Untersuchungen veranlasst:

5.1 Materialprüfungen

Der rechnerisch ermittelte U-Wert des Bauteils, siehe Anlage 4, beträgt 3,57.

Die Außenwand erfüllt somit nicht die Vorgaben der DIN 4108.

6 Bewertung der Untersuchungsergebnisse

6.1 Allgemeines

Das Zusammenwirken folgende Faktoren ist ausschlaggebend für den Schimmelbefall:

6.1.1 Nicht gedämmte Außenwand.

Die Bauteiloberflächen der Außenwände kühlen sich, bedingt durch die fehlende Außendämmung der Wände sehr stark ab. B ei einer angenommenen Außentemperatur von -10°C beträgt die Temperatur der Wandoberfläche 0,2°, der Taupunkt der Luft bei einer Innenraumtemperatur von +10° und 50% Luftfeuchte beträgt 4,8°C.

Die Folge: Es bildet sich Tauwasser.

6.1.2. Fehlende Lüftungsmöglichkeit.

Bei Außentemperaturen kleiner ca. 3°C beginnt der Tauwasserausfall an der Oberfläche der Innenwand.

Die Feuchte an der Wandoberfläche kann, bedingt durch fehlende Lüftungsmöglichkeit nicht abgeführt werden.

Lüftungsmöglichkeit durch die Außentüre des Kellerraumes:

Eine Lüftung durch das Öffnen der Kellertüre ist nur bedingt möglich. Die Türe liegt am Ende der Kellertreppe, dadurch ist keine natürliche Luftströmung vorhanden. Eine Querlüftung ist nicht möglich!

6.1.3 Türe zu Vorraum

Die Dichtung der Türe in den, zwischen beheizten Treppenhaus und Keller liegenden Vorraum ist mangelhaft. Auf das Türblatt ist als zusätzlicher Anschlag ein Blech aufgenietet worden, offensichtlich um den erkannten Mangel zu beheben. Durch diese Maßnahme wurde der Mangel jedoch nicht behoben.

Durch diese undichte Türe kann warme Luft aus dem Wohnbereich in den nichtbeheizten, kälteren Keller gelangen.

Vorraum: 13,3°C 59% Luftfeuchte ergibt einen Wasserdampfpartialdruck von 902 Pa. Ein Teil dieser Raumluft gelangt über die undichte Türe in den unbeheizten Kellerraum und kondensiert an Bauteilen mit einer Temperatur kleiner 5,5°C.

7 Vorschläge für die B eseitigung der Mängel

Beseitigung des Schimmels, anbringen einer zusätzlichen Wärmedämmung aus 2x30mm Calciumsilikatplatten, an den Außenwänden und der Decke. Die Platten aus Calciumsilikat sind stark alkalisch, der PH-Wert liegt bei 10,5 und wirkt dadurch einem erneuten Schimmelbefall, zwischen der neuen Dämmschicht und der ST B -Wand, entgegen. Die Platten werden verspachtelt und z. B . mit einem Silikatanstrich versehen.

Durch das Aufbringen der Calciumsilikatplatten, siehe Anlage 4, kann die Tauwasserbildung an der Bauteiloberfläche nicht vollständig unterbunden werden. B ei Außentemperaturen kleiner -4°C bildet sich weiterhin Tauwasser an der Innenseite der Außenwand. Siehe Anlage 5 und 6.

Ausbau der undichten Türe zwischen Vorraum und Keller. Einbau einer wärmegedämmten, luftdichten Türe.

Einbau eines Lüfters mit Steuerung über die Raumluftfeuchte um die nach wie vor anfallende Feuchtigkeit abzuführen. Dieser saugt die Luft über den vorhandenen Wärmetauscher an und bläst diese, über eine Öffnung in der Wand zum Vorraum, in den Kellerraum. Die Abluft des Raumes erfolgt über eine zweite Öffnung neben der Kelleraußentüre.

8 Kostenschätzung für die Mängelbeseitigung

Abtöten des Schimmelpilzes: 300 Euro

2x 30 mm Wanddämmung mit Calciumsilikatplatten 1.400 Euro

1x 30 mm Wärmedämmung mit Calciumsilikatplatten 800 Euro

Verspachteln und Neuanstrich aller gedämmten

Wand- und Deckenflächen 900 Euro

2 Stück Kernbohrung D=150mm 140 Euro

Feuchtigkeitsgesteuerter Lüfter (Abluft) 150 Euro

Anschluss an vorhandenen Erdwärmetauscher 100 Euro

Einbau dicht schließende, wärmegedämmte Türe 400 Euro

Endreinigung des Raumes 150 Euro

Gesamt: Netto: 4.340 Euro

9 Zusammenfassung

Die Schimmelbildung wurde durch das Fehlen der Außenwanddämmung verursacht. Der Schaden wurde wegen der nicht ausreichenden Lüftungsmöglichkeit des Kellerraumes nochmals verstärkt.

Das Gutachten unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen erstattet zu haben, versichert

Lindau, den 28.01.2003

Dipl.-Ing. Architekt Dieter Kubeth